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Ausstellungsansichten
Galerie Friedrich Müller
Matthias Loebermann
Songs of Sky
8. April – 13. May 2017


Zu den Werken von Matthias Loebermann

Vereinen sich Pinsel und Farbe,
werden sie zu himmlisch-irdischer Kraft.
Shi-Tao (1630–1707)

Annäherung an einen Künstler, der in zwei ganz verschiedenen Welten zu Hause ist.

Besucht man ihn in der einen Welt, dann hält man es nicht für möglich, daß er auch der Urheber der Arbeiten in der anderen Welt ist.

Matthias Loebermann ist Maler und Architekt. Seine Architekturen sind in ihre Umgebung eingefügte Objekte aus geraden Linien und Licht.

In seinen Bildern hingegen sucht man die gerade Linie vergebens. Und das Licht muß sich gegen wolkengleiche Elemente behaupten, die er mit, „Eisengrund“ auf Papier gebracht hat. Dieser ungewöhnliche Dispersionsfarbstoff ist angereichert mit Eisenstaub, der in oft mehreren Arbeitsgängen nach dem ersten Farbauftrag, mit Hilfe eines Oxidationsmittels, gesteuert zur Korrosion gebracht werden kann. Diese Verwandlung der Zeichnung kann für Linie und Farbton außergewöhnliche Dramatik hervorrufen.

„Songs of Sky“ ist der gemeinsame Titel der hier erstmals vorgestellten Arbeiten. Diese Namensgebung erinnert an den Photographen Alfred Stieglitz, der seinen ersten „Equivalents“ eine nahezu identische Bezeichnung verlieh. Sie waren Aufnahmen des Himmels, in deren Wolkenformationen er eine Entsprechung seiner eigenen, momentanen Gefühlswelt zu erkennen glaubte. Matthias Loebermann hingegen bestimmt selbst, wie sein Bild-Himmel aussehen soll. Wenn ich an seine Serie „Black Rain“ denke, dann sind für ihn die Lieder des Himmels ein Echo des von Menschen bewirkten Geschehens auf der Erde. Seine Strichweise und seine Verteilung der farblichen Akzente verwandeln heftige Bewegung und gelegentlich düster drohende Farbintensität in gerade noch gebändigte Ruhe. Das macht es spannend, die Bilder zu betrachten. Immer ist da eine Situation, nahe dem Ausbruch. Oder besser: gerade noch zurückgehalten im Gleichgewicht.

Die aus dieser Situation heraus erfahrbare Melodie des „Liedes“ eines jeden der Bilder, übermittelt eine seltsame Harmonie. Eine Harmonie, die entstanden ist aus heftiger Bewegung von Zeichnung oder Farbe und deren Bändigung durch Anordnung, durch Verteilung der Gewichte.  –

Ist das nicht auch eine Voraussetzung für die Architektur?

Peter-Cornell Richter


Ausstellungsseite:

http://www.japan-art.com/index.php?id=11&aid=254&year=2017&type=2

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