Yuko Sakurai
In ihrer nunmehr achten Einzelausstellung in der Galerie Japan Art stellt Yuko Sakurai eine Auswahl ihrer neuesten, zwischen 2024 und 2026 entstandenen Werke auf Papier und Holz vor. Auch wenn Farbwirkung, Farbkontraste und die subtilen Texturen des Farbauftrags unübersehbar eine wichtige Rolle im Erscheinungsbild dieser Arbeiten spielen, sollte man sich doch daran erinnern, dass Sakurai sich keineswegs als Malerin im traditionellen Sinn versteht. Es geht ihr stets um die Werke als ganzheitliche, dreidimensionale Objekte, wobei die Farbe – zumeist Ölfarbe – als Werkstoff eingesetzt wird, um sie in perfekter Weise mit den Trägermaterialien zu verbinden.
Die Künstlerin bevorzugt kleine und mittlere Formate, denn es geht ihr keineswegs darum, mit Größe und Volumen zu beeindrucken. Von besonderer Wichtigkeit ist für sie vielmehr die Intimität der aufmerksamen Betrachtung und die daraus resultierende Einfühlung in den Ausdrucksgehalt der Werke. Was folglich an Sakurais Arbeiten immer wieder besticht, ist ihr genauer, liebevoller Blick auf die Details sowie die Verwandlung der Materialien in Auslöser von Emotionen und Stimmungen, die meist auf Erlebnisse an bestimmten Orten zu gewissen Zeiten Bezug nehmen. Ein Beispiel ist das bezaubernde Blatt „Sun Light Paris I“, das mit seinen dicht gefügten bogenförmigen Motiven in Gelb, Orange und Rot das Aufstrahlen des Sonnenlichts über der Stadt beschwört, ohne jedoch im geringsten abbildhaft zu sein. Aus allen Werken von Yuko Sakurai spricht ihre große Naturverbundenheit sowie die Wertschätzung, ja der tiefe Respekt für die traditionellen Materialien, mit denen sie arbeitet. Das gilt zum Beispiel für das handgeschöpfte, hochwertige und erstaunlich stabile Echizen-Papier, das sie als Träger für ihre Ölfarbe wählt, oder den eigenhändig hergestellten Farbstoff Indigo, mit dem sie Stoffteile einfärbt, die dann auf Papier aufgenäht werden. Für ihre ungewöhnlichen, mit Kordeln zusammengehaltenen, an der Wand hängenden Objekte der Serie „Kagamino“ wählte sie Holz der Scheinzypresse Hinoki. Dieses Holz wird in Japan vielfach verwendet, traditionell etwa auch für den Tempelbau oder die Anfertigung der Masken im Nō-Theater. Diese Objekte mit ihren horizontal angeordneten Stäben wirken offen, zart und poetisch, zumal sie bei heller Beleuchtung farbige Reflexionen an die Wand zaubern.
Für ihre vertikal ausgerichteten Arbeiten aus Holz benutzt Yuko Sakurai Fundhölzer, Reststücke aus einem mittlerweile stillgelegten Sägewerk in ihrem Geburts- und Wohnort Tsuyama. Die teils unregelmäßigen Formen des dünnen, sorgfältig bearbeiteten Holzes hat sie vorgefunden und bewusst unverändert gelassen. Die Bemalung mit Ölfarbe soll die besondere sinnliche Qualität und Schönheit des Holzes in seiner Eigenart noch deutlicher zu Bewusstsein bringen.
Peter Lodermeyer
