Artikel in der F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung: Schwarz, Weiß, Pink. Monika Huber in der Galerie Friedrich Müller

F.A.Z. Rhein-Main-Zeitung, Kultur, 22.12.2021, Seite 40

 

Schwarz, weiß, pink
Monika Huber in der Galerie Friedrich Müller

FRANKFURT In ihren Bildern, so hat es Monika Huber einmal formuliert, gehe es "immer um Kraft und Energie, niemals allein um die Farbe Schwarz oder Weiß. Die Farbe muss sich dem Energetischen unterordnen." Und im Grunde ist es dabei auch geblieben. Soweit sich derlei sagen lässt angesichts einer Ausstellung, die mit Arbeiten seit den Neunzigerjahren vor allem viele Fragen stellt - und sie am Ende dann meist offen lässt. Hat die 1959 in Dingolfing geborene Meisterschülerin von Günter Fruhtrunk an der Akademie der Bildenden Künste München doch schon vor bald zehn Jahren die Malerei zugunsten eines umfangreichen, seriell bestimmten Schaffens auf dem Gebiet der Foto- und Videokunst weitgehend aufgegeben.
Was man angesichts der Leinwände in der Galerie Friedrich Müller aufrichtig bedauern mag. Denn wiewohl die Farbe tatsächlich nicht die Hauptrolle spielt im Werk der Münchner Künstlerin, sind es doch vor allem malerische, das eigene Medium und das eigene Tun reflektierende Fragen, die im Zentrum ihrer Gemälde stehen. Nach Linie, Fläche, Raum etwa, nach Leinwand, Oberfläche und Textur, nach der hier entschiedenen, dort nervösen Geste, nach Transparenz und Dichte und klar konturierter Form. Sind es doch in der Tat meist geometrische, auf dem Quadrat etwa basierende Formen, die den Gemälden Struktur geben - und die Huber im nächsten Augenblick höchst malerisch infrage stellt.
Indem sie den Nesselgrund der Bilder mit grobem Zwirn zusammennäht etwa, die zahlreichen Farbschichten ab und an zumindest ahnen lässt unter dem finalen, scheinbar flüchtig aufgetragenen Weiß und Grau und Creme, oder gar die Komposition mit entschiedener, kohlrabenschwarz gesetzter Geste scheinbar wieder dementiert. Ab und an bricht ein Moosgrün, ein Pink vielleicht für einen hier beinahe zart, dort heiter-melancholisch oder auch nachgerade bissig zu nennenden Akzent aus dem Grisaille hervor, als gelte es, der Dynamik wenigstens für einen Augenblick ein wenig Einhalt zu gebieten.
Allein es hilft ja nichts, am Ende muss sich nicht die Farbe als Material, aber allemal das Kolorit dem malerischem Furor Hubers unterordnen. Schade, dass die sonst vorwiegend der japanischen Gegenwartskunst verpflichtete Galerie, die mittlerweile Hubers dritte Einzelausstellung präsentiert, neben den Ölbildern jedoch kaum ihre Papierarbeiten zeigt. Denn diese spontan und impulsiv und zunehmend undurchdringlich anmutenden Arbeiten in Kohle auf Papier scheinen doch schier zu bersten vor Kraft und Wut und Energie. Andererseits: Vielleicht war genau das die Crux, die Monika Huber dann die Welt der Malerei verlassen ließ. Und nirgends auch nur eine Spur von Farbe mehr zu sehen. CHRISTOPH SCHÜTTE


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Dieser Artikel ist bis zum 18.07.2022 verfügbar.

Januar 13, 2022