Geboren in Köln, 1936
Lebt und arbeitet in Aachen.

Arbeit an der Wahrnehmung
Die „Bagan Lacquer“ Objekte im plastischen Schaffen von Joachim Bandau Invar-Torre Hollaus


Das plastische Schaffen von Joachim Bandau charakterisiert sich bereits seit Ende der 1960er Jahre durch verschiedene, in sich geschlossenen Werkgruppen, die sich durch eine überaus große Vielseitigkeit auszeichnen. Obschon diese einzelnen Werkgruppen rein äußerlich oder aufgrund der verwendeten völlig unterschiedlichen Materialien eine hohe Eigenständigkeit aufweisen, sind diesen inhaltlich mehr Gemeinsamkeiten eigen, als dies bei einer ersten Betrachtung zunächst ersichtlich werden würde. Die stilistische Diversität wirkt keineswegs beliebig, sondern ist vielmehr Ausdruck einer kritischen Rezeption des eigenen Schaffens und einer beständigen Suche nach neuen Formulierungsmöglichkeiten. Es spricht dabei für den Künstler, dass er sich nie mit einmal Bewährtem zufrieden gibt, sondern mit großer Neugier und Entdeckerdrang, subtilem Gespür, aber auch mit Konsequenz und hohem Risikoeinsatz immer wieder mit bisher in seinem Schaffen nicht verwendeten Materialien experimentiert und so seinen Arbeiten die ihnen eigene Dynamik und Vitalität verleiht. Auf diese Weise gelingt es Joachim Bandau nicht nur sein künstlerisches Werk immer wieder neu zu deXinieren und im Kontext der zeitgenössischen Kunst neu zu positionieren, sondern die einzelnen Schaffensphasen vor allem auch zu einem komplexen, kohärenten und dialogisch ausgerichteten Gesamtwerk miteinander zu verzahnen.

Ausgehend von seiner bisher neuesten, „Bagan Lacquer“ bezeichneten Werkgruppe - mit burmesischem Baumharz lackierte und als Wandobjekte konzipierte Holzarbeiten - sollen sowohl verschiedene Aspekte der Wahrnehmung als auch der physischen wie visuellen Materialisierung der Skulpturen erläutert werden, die sich hier zwar besonders prägnant, grundsätzlich aber als ein stringentes und charakteristisches Entwicklungsmuster im gesamten Schaffen des Künstlers manifestieren.

Quelle: Katalog, Joachim Bandau, Quodlibet, 2008 (S. 47)



Die Aquarelle
Lineare Transparenz – räumliche Verdichtung
Joachim Bandau


Grundlage meiner Aquarelle ist die Entwicklung unterschiedlicher Bildsysteme: Darunter verstehe ich jeweils die Wahl eines bestimmten Bildmoduls und des daraus resultierenden Arbeitsprozesses. Das Ergebnis der rein linear reduzierten Aquarelle sowie die dazu notwendigen Arbeitsschritte sind genau geplant. Der weitaus größeren Gruppe von Aquarellen liegen polyphone Strukturen zu Grunde: Jeder einzelnen Fläche wird die größtmögliche Autonomie zugebilligt, jede neu gesetzte Fläche ist die Antwort auf die vorangegangene, es sind intuitive Setzungen. Die einzelnen situationsbezogenen Arbeitsschritte haben improvisierenden Charakter, sie umspielen und verdichten das Grundthema. Es sind immer ad hoc Entscheidungen: Welche Bedingungen bestimmen das Entstehen einer Fläche, welche Rolle spielt der Zufall, etc.? Aus diesem Arbeitsprozess entstehen die vielfältigen Schichtungen transparenter Flächen, aus der Verdichtung der Flächen entwickelt sich ein in die Tiefe hineingreifendes Raumgefüge. Das Bild entsteht aus einem dialogischen Verhältnis zwischen den einzelnen sich überlagernden Feldern und mir als agierendem Künstler. Aus dem beschriebenen Arbeitsprozess entwickelt sich der Weg jedoch ohne genaue Kenntnis des zu erreichenden Ziels, so ist das Ziel das Ergebnis vieler suchender Arbeitsschritte, der Abschluss die schwierigste Entscheidung.

Als eine weitere Dimension meiner Aquarelle betrachte ich die Zeit: Die einzelnen Felder entstehen in einer zeitlichen Abfolge. Oft arbeite ich über Monate an einer einzigen Arbeit, einige sind in einem Zeitraum von mehreren Jahren entstanden. Die einzelnen Schichten dokumentieren mehr oder weniger lesbar den Werdegang einer Arbeit. Die Anzahl der einzelnen Arbeitsgänge schwankt von Blatt zu Blatt, es dürften zwischen zwanzig und vierzig und manchmal auch mehr sein. Vieles wird dabei überdeckt und bleibt unaufTindbar, die Komplexität einer jeden Arbeit erschließt sich erst bei analytischer Betrachtung. Der Betrachter entschlüsselt das Werk rückläuTig, er erfährt den zeitlichen Ablauf des malerischen Prozesses, nur in der Zeit kann er das Wechselspiel der einzelnen Felder zueinander verstehen. Die Erfassung dieser komplexen Bildstruktur führt zu einer angedeuteten, manchmal nicht genau zu fassenden, ja sich ändernden Raumtiefe hin, in der sich das Auge zu verlieren scheint, abhängig von welchem Blickwinkel ich die Arbeit betrachte oder von welcher Seite ich in das Bild hineingehe.


Quelle: Katalog, Joachim Bandau, Quodlibet, 2008