Geboren in Tokio, Japan, 1964
Lebt und arbeitet in Köln, Düsseldorf und Tokio.

Manchmal können gute Bilder so etwas sein wie kleine Fluchten. Manchmal können sie die Möglichkeit eröffnen, sich für kurze Zeit an einen anderen Ort, in eine andere Zeit zu beamen. Die Gemälde von Hideaki Yamanobe kommen solchen Vorstellungen sehr nahe.

Dabei scheinen sie zunächst wenig mehr zu sein als bloße Grauabstufungen auf unterschiedlich großen Leinwänden. Doch schnell beginnt der Betrachter, in ihnen geheimnisvolle Nebellandschaften zu sehen und sucht, hinter den wabernden Schwaden Andeutungen von Wäldern oder Siedlungen zu entdecken. Allerdings ohne Erfolg, denn Gegenständlichkeit ist nicht Yamanobes Sache. Vielmehr führt der 1964 in Tokio geborene und heute in Freiburg lebende Künstler in seinen Arbeiten Traditionen westlicher Malerei wie die des Abstrakten Expressionismus mit Einflüssen seiner asiatischen Kultur zusammen.

Das Ergebnis sind kontemplative und dabei spannungsreiche Abstraktionen in unaufdringlicher Farbgebung. Dafür setzt Yamanobe in unterschiedlichem Duktus mehrere, langsam heller werdende Farbschichten auf einen schwarzen Untergrund. Den Abschluss bildet ein fast weißes Hellgrau.

Wesentliche Inspirationsquelle seines Schaffens ist die zeitgenössische Musik. Immer wieder versucht er, Kompositionen visuell umzusetzen und greifbar zu machen. So wurde etwa die Gemäldeserie, die er derzeit in der Galerie Japan Art zeigt, vom Bühnenbild angeregt, das er für die Aufführung von Helmut Lachenmanns Oper Das Mädchen mit den Schwefelhölzern in Tokio entworfen hat.

Das Medium Malerei - bei Yamanobe dient es der Sichtbarmachung sensitiver und emotionaler Vorgänge und ist damit tatsächlich eine Möglichkeit, sich für kurze Zeit vom allzu Gewohnten zu entfernen. Und das kann schließlich nie schaden.

Janneke de Vries